Geschichte des Apfels

Obsthof am Steinberg - Geschichte des Apfels

Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen liegt die Wiege aller Kulturäpfel im Kaukasus. Eingeschlossen und isoliert von Gletschern und Bergen haben sich in diesem Gebiet vor Jahrtausenden Wildapfelformen mit großen und wohlschmeckenden Früchten entwickelt.

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Die Perser haben diese Schätze entdeckt und an die Griechen weitergegeben. Die Römer übernahmen den Obstbau von den Griechen, trieben ihn mit syrischen Sklaven wesentlich voran und brachten uns mit der Besiedelung Germaniens die Apfelkultur über die Alpen. Karl der Große verhalf u.a. dem Apfel wieder zu Ansehen.

Bereits Anfang des 9. Jhd. wurde durch seine Landgüterverordnung „Capitulare de villis“ der Obstbau und die Verarbeitung der Früchte zu Obstwein weitsichtig gefördert. Die Vorratshaltung von Obst z.B. half der Bevölkerung über Not- und Hungerzeiten hinweg. Im Mittelalter wurde der Obstbau von den Mönchen in den Klostergärten gepflegt. Sie entwickelten die Verarbeitung von Obst zu Wein weiter und konnten ihrem Orden hierdurch Einkünfte sichern. Die Mönche gaben ihr Wissen über die Kultur des Obstes und dessen Verwertung im Rahmen der Christianisierung weiter. Die Bauern lernten von den Mönchen und legten einen Baumgarten rund um ihren Hof an. Die Früchte dienten den Bauern vornehmlich zur Selbstversorgung.

Äpfel als Statussymbol: An Schlossmauern und in Schlossgärten kultivierten ausgebildete Gärtner nur die wertvollsten und anspruchsvollsten Apfelsorten. In dieser Zeit entstand der Name „Reinette“, der sich noch heute in vielen historischen Apfelnamen wiederfindet. Er leitet sich vom französischen “ la Reine“ – „die Königin“ ab und beschreibt eine royale Familie edelwürziger Äpfel, die ausschließlich an der Tafel bei königlichen Banketten und fürstlichen Gelagen als Prunk- und Tafelfrucht ihren festen Platz inne hatten.

Erst ab dem 17. Jhd. wurden Obstbäume in freier Landschaft gepflanzt. Es entstanden Verordnungen, bei denen sich die Untertanen eines Herrschers u.a. bei Heirat oder wenn sie Neubürger werden wollten, verpflichten mussten, einige Obstbäume zu pflanzen, so z.B. im 17. Jhd. unter Friedrich Wilhelm Kurfürst von Brandenburg. Im ländlichen Bereich hat sich ein bäuerliches Ritual entwickelt, das sich teilweise bis heute erhalten hat und auch bei Taufen, zur Kommunion oder Konfirmation sowie verschiedenen Lebensjubiläen Anwendung findet: die Pflanzung eines oder mehrerer Obstbäume.

Johann Kaspar Schiller, Vater von Friedrich Schiller, hat auf Schloss Solitude/Stuttgart Ende des 18. Jhd.s eine der bestbestückten Obstbaumschulen des Landes unterhalten. Er war einer der Ersten, der veredelte Hochstämme mit wertvollen Sorten an Bauern abgegeben hat und somit den Streuobstanbau, wie wir ihn heute kennen, nachhaltig gefördert hat. Ende des 19. Jhd. explodierte förmlich die Zucht zahlreicher neuer Sorten. Ärzte, Pfarrer und Apotheker, aber auch Industrielle widmeten sich der klassischen Züchtung in ihrer Freizeit. Daraus resultierend, gab es Anfang des 20. Jhd.s ca. 4.000 Apfelsorten deutschlandweit. Nach einigen nationalen und europäischen Bereinigungsprozessen existieren heute nur noch 1.500 Apfelsorten. Historische Sorten und ihre einmalige Genetik verschwinden unwiederbringlich für immer. Der „Obsthof am Steinberg“ hat einige davon zu seinen Schützlingen auserkoren und bereitet daraus nach jahrzehntelanger Pflege sortenreine Apfelweine.